Und jetzt wurden Sie zu dem Kongress nach New York eingeladen, aber die amerikanischen Behörden lassen Sie nicht in die USA einreisen. Wieso denn das? Normalerweise darf doch jeder Deutsche ohne Visum nach Ausfüllen des ESTA-Formulars (Electronic System for Travel Authorization) einreisen!
Ja, normalerweise. Der ESTA-Antrag wurde aber nicht genehmigt. Man bekommt keinen expliziten Grund für die Absage mitgeteilt, aber es ist wahrscheinlich, dass das passiert ist, weil ich schon mehrfach zu wissenschaftlichen Konferenzen im Iran war. Letztes Jahr war ich eingeladener Sprecher auf der Jahresversammlung der iranischen mathematischen Vereinigung in Teheran. Die Botschaft der USA gibt nun auf ihrer Website an, dass ein ESTA-Antrag abgelehnt wird, wenn man nach 2011 im Iran war. Vermutlich ist das also der Grund.
Und wenn der ESTA-Antrag abgelehnt wird, kann man nicht mehr einreisen?
Dann kann man mit dem abgelehnten Antrag ein Visum beantragen. Das wurde aber auch abgelehnt, obwohl den US-Behörden bekannt ist, dass ich als Sprecher zu einer wissenschaftlichen Konferenz eingeladen bin, denn das Einladungsschreiben der IABSE habe ich mehrfach eingereicht.
Wurde das Ablehnen des Visums irgendwie begründet?
Ich habe ein vorgedrucktes Papier ohne persönliche Anrede bekommen, das feststellt, dass ich nicht geeignet sei, in die USA einzureisen, weil ich nicht an mein Heimatland gebunden sei. Mehr kann ich nicht dazu sagen, außer dass diese Begründung natürlich völlig grotesk ist, alleine schon deshalb, weil mich niemand gebeten hat, Gegenteiliges zu begründen, und natürlich jeder Deutsche normalerweise einfach mit einem ESTA-Antrag einreisen darf, egal, ob er irgendwie an Deutschland gebunden ist oder nicht, was auch immer das heißen soll.
Der Iran oder die Konferenz wurden nicht weiter erwähnt?
Nein, erwähnt wurde das nicht. Ob das eine Rolle gespielt hat, weiß nur die Person, die den Stempel auf den Vordruck gemacht hat.
Die Konferenz musste jedenfalls ohne Ihre persönliche Anwesenheit stattfinden, aber immerhin wurde Ihre Vortragspräsentation per Video gezeigt und es erscheint ein wissenschaftlich begutachteter Konferenzband mit Ihrer für den Kongress vorgesehenen Arbeit. Wie beurteilen Sie Ihren Fall denn im Hinblick auf die Freiheit und Austausch der Wissenschaft?
Es gibt keine bessere Möglichkeit des wissenschaftlichen Austausches als das persönliche Gespräch mit Kreide und Tafel bzw. mit Bleistift und Papier. Da kann ihr Gegenüber ihnen direkt reingrätschen, genau sagen, was es nicht versteht oder was vielleicht falsch ist und Sie können ihm direkt darauf antworten. Sie können Missverständnisse maximal schnell klären, weil Sie sehen, wo er ihrer Argumentation folgt und wo nicht. Kurzum: Der wissenschaftliche Austausch wird hier sehr deutlich behindert und das bei einem so wichtigen Thema!